Was ist B-Ware? Bedeutung, Vorteile und mögliche Nachteile

Kleine Macke, großer Preisvorteil? Wir zeigen, was B-Ware wirklich bedeutet, worauf man beim Kauf achten sollte und wann man bedenkenlos zuschlagen kann.

„B-Ware“ hat wohl jeder schon einmal gehört. Aber was genau steckt dahinter? Eigentlich ist es ganz einfach.

B-Ware ist nicht gleich B-Ware

Was ist eigentlich B-Ware

B-Ware sind Artikel, die Händler oder Hersteller aufgrund kleinerer Mängel nicht mehr als Neuware verkaufen. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Optische Mängel – Kratzer, ein fehlerhafter Aufdruck oder ähnliches
  • Verpackungsschäden – etwa die bekannte „Blemished Box“ bei Logitech
  • Widerrufs-Rückläufer – der erste Käufer hat die Ware nur ausgepackt und wieder zurückgeschickt
  • Ausstellungsstücke – Geräte, die im Laden oder Showroom standen
  • Fehlendes Zubehör – z. B. ein Kabel oder eine Anleitung fehlt

Die Artikel selbst sind dabei in der Regel neu bzw. neuwertig und voll funktionsfähig. Um solche Posten schnell abzuverkaufen, gibt es sie zu deutlich reduzierten Preisen.

Mit welchen Nachteilen muss man rechnen?

Neben den erwähnten Schönheitsfehlern gibt es auch eine rechtliche Seite – und hier hat sich seit 2022 einiges zugunsten der Käufer verändert.

Gewährleistung: Bei A-Ware (Neuware) gilt weiterhin die gesetzliche Gewährleistung von 24 Monaten. Bei gebrauchten Artikeln bzw. echter B-Ware darf der Händler diese Frist per ausdrücklicher, gesonderter Vereinbarung auf minimal 12 Monate verkürzen – ein pauschaler Hinweis in den AGB reicht dafür nicht mehr aus. Wurde eine solche Verkürzung nicht wirksam vereinbart, gelten automatisch die vollen 24 Monate, selbst wenn der Artikel als B-Ware oder Ausstellungsstück gekennzeichnet war.

Beweislastumkehr: Seit der Kaufrechtsreform zum 1. Januar 2022 hat sich außerdem die sogenannte Beweislastumkehr von 6 auf 12 Monate verdoppelt. Zeigt sich also innerhalb des ersten Jahres nach dem Kauf ein Mangel, wird gesetzlich vermutet, dass dieser schon beim Kauf vorlag – der Händler muss das Gegenteil beweisen, nicht der Käufer. Erst nach Ablauf dieser 12 Monate dreht sich die Beweislast um, und der Käufer müsste nachweisen, dass der Mangel bereits vor dem Kauf bestand.

Wer B-Ware kauft, hat trotzdem ein Ass im Ärmel: das Widerrufsrecht. Gefällt der Artikel nicht oder sind die Mängel zu gravierend, kann man innerhalb von 14 Tagen widerrufen und die Ware zurückschicken – das gilt bei B-Ware genauso wie bei Neuware.

Und was ist mit der Herstellergarantie?

Die Garantie bleibt eine freiwillige Leistung des Herstellers und kann bei B-Ware ausgeschlossen sein. Ob und in welchem Umfang sie greift, hängt vom jeweiligen Hersteller und dessen Kulanz ab – unabhängig von der gesetzlichen Gewährleistung, die der Händler ohnehin schuldet.

Lohnt sich der Kauf von B-Ware?

Auf jeden Fall. Neben oft sehr günstigen Preisen sind die „Mängel“ meist zu vernachlässigen. Häufig gelten schon kleine Dinge wie Fingerabdrücke auf dem Display als Mangelgrund – die lassen sich natürlich einfach abwischen, und man erhält quasi ein Neugerät zum Schnäppchenpreis. Allerdings nutzen manche Händler diese Einstufung auch bewusst, um die volle gesetzliche Gewährleistung nicht gewähren zu müssen (siehe oben). Ein Blick auf die genauen Vertragsbedingungen lohnt sich also immer.

Wo kauft man B-Ware am besten?

Einige Shops haben eigene Bereiche für diese Artikel eingerichtet. Eine Auswahl:

Amazon Retourenkauf (früher „Warehouse Deals“): Amazon hat den Bereich mittlerweile umbenannt und nennt reduzierte Retouren, Ausstellungsstücke und leicht beschädigte Verpackungen jetzt „Amazon Retourenkauf“. Der Artikelzustand wird weiterhin klar ausgewiesen – von „Wie neu“ über „Sehr gut“ und „Gut“ bis „Akzeptabel“. Da die komplette Kaufabwicklung über Amazon selbst läuft, gelten die gewohnten Amazon-Konditionen: 30 Tage Rückgaberecht und die gesetzliche Gewährleistung nach den oben beschriebenen neuen Fristen. Regelmäßig gibt es zusätzliche Rabattaktionen wie die „Second Chance Deal Days“ mit bis zu 50 % Nachlass auf geprüfte Retouren (50 % gibt es mittlerweile aber eher selten).

Teufel B-Ware & Outlet: Der Lautsprecher-Hersteller Teufel betreibt weiterhin einen eigenen B-Ware- und Restposten-Bereich im Online-Shop. Angeboten werden geprüfte Versandrückläufer, Ausstellungsstücke sowie Ware mit beschädigter oder unvollständiger Verpackung – vor dem Versand wird jeder Artikel nochmals technisch geprüft. Zu beachten: Der Teufel B-Ware-Shop liefert aktuell nur innerhalb Deutschlands, ins Ausland ist derzeit kein Versand möglich.

Conrad B-Ware: Conrad bietet ebenfalls B-Ware an, allerdings weiterhin nicht über den eigenen Onlineshop, sondern über einen eigenen eBay-Store. Dort tauchen in unregelmäßigen Abständen Restposten und Rückläufer aus verschiedenen Elektronikkategorien auf. Wer sich für ein bestimmtes Produkt interessiert, sollte den Store im Blick behalten, da beliebte Artikel meist schnell vergriffen sind.

Refurbished-Angebote der Hersteller: Neben klassischer B-Ware lohnt sich auch ein Blick auf generalüberholte Geräte direkt beim Hersteller, etwa im Apple Store unter „Refurbished-Produkte“. Diese Geräte waren bereits im Einsatz, wurden aber vor dem Wiederverkauf komplett aufgearbeitet und geprüft, sodass sie kaum noch Gebrauchsspuren zeigen – häufig inklusive voller Herstellergarantie.


Hinweis: Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei konkreten Streitfällen rund um Gewährleistung oder Widerruf lohnt sich der Gang zur Verbraucherzentrale oder zu einem Fachanwalt.